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Theater
Freitag, 26.11.21, 20:00 Uhr

Vogt von Affekkt

Vogt trifft auf Vogt und begegnet sich mit schonungsloser Neugierde. Er provoziert, geht bis an die Grenzen, therapiert sich als Arzt zum Patienten. Ein Stück mit Texten des kontroversen Berner Psychiaters und Schriftstellers Walter Vogt. Sein literarisches Werk kreist um seinen Alltag als Arzt, seine Patienten, seine Familie, seine Erfahrungen und Erkenntnisse mit Drogen, um Ängste, um Vögel und um seine Liebhaber. Beide Männer sind Vogt in all seinen widersprüchlichen Facetten und Funktionen und suchen Walter zwischen grenzenlosem Egoismus und grossem Leid. Walter Vogts Fiktion wird zu einer kompromisslosen Realität. «Vogt – ein Selbstversuch» ist eine Zusammenfügung unterschiedlicher Texte aus seinem reichen Werk. Auf der Bühne entsteht ein radikaler Lebensbogen, der zugleich spezifisch und exemplarisch ist. Vogt begegnet Vogt, als Arzt und Patient, Junger und Älterer, Liebender und Geliebter, Sohn und Vater. Von zwei Seiten werden Geschichten gezeichnet aus dem schwer zu definierenden Grenzbereich von Gesundheit und Krankheit. Vogt fasst Depressionen in Worte und Bilder, die berühren und über psychisches Leiden nachdenken machen: «Weil unser Leben aus manischen und depressiven Zuständen besteht, die unvereinbar sind, schon deshalb sind wir schizophren». Vogt hat sich und seine Nächsten nie geschont. Er war Leidender und Heilender, Menschenfreund und Zyniker, Nonkonformist und Vogelkenner, ein früher Grüner, den die Zerstörung tierischer und pflanzlicher Welt beelendet hat. Die Auseinandersetzung mit seinem Werk wirft einen immer wieder auch auf die eigene Existenz zurück, die eigenen Daseinsformen. Sein «Selbstversuch», dokumentiert in einer messerscharfen, ungeschützten Sprache, führt zum theatralen «Selbstversuch» auf der Bühne: «Unsere gesellschaftlichen Zustände sind nicht paradiesisch. Ohne irgendwelche Drogen geht es ganz einfach nicht, und ging es übrigens anscheinend nie. Wir haben nicht die Wahl, ob oder ob nicht, wir haben nur die Wahl, was.» Fasziniert von den gedanklichen Freiräumen seiner Patientinnen und Patienten, wählte Vogt immer gefährlichere Spielarten, bis er sich eingestand: «Ich habe vieles erfahren. Nur: Wohin hat diese Erfahrung geführt?» Geführt hat sie nicht zuletzt zu einem faszinierenden Werk aus Sätzen von hoher Bühnenpräsenz. Sätzen, die auch heute, dreissig oder vierzig Jahre später, zeitgenössisch wirken, prophetisch gar, und tabulos diskutiert werden wollen. Idee, Produktion, Realisation: Saladin Dellers, Meret Matter, Philippe Nauer Regie: Meret Matter Spiel: Saladin Dellers, Philippe Nauer Dramaturgie: Guy Krneta Produktionsleitung, Diffusion: Roland Amrein Bühne: Stephan Weber Kostüme: Judith Steinmann Grafik: Clarissa Herbst Sounds, Technik: Pavel Mischler Deutsch | ca. 75 min | Wiederaufnahme aus der Saison 20/21

Weitere Veranstaltungsdaten

Veranstaltungsort

Schlachthaus Theater Bern
Rathausgasse 20-22
3011 Bern
info@schlachthaus.ch