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Ausstellung / Galerie
Mittwoch, 15.09.21, 14:00 Uhr

Kotscha Reist

Bereits im Ausstellungstitel verweist Kotscha Reist auf die offene Bedeutung seiner Bilder, auf „etwas“, das „in etwas“ zum Ausdruck kommt. „Etwas“ sind auch die Andeutungen, das Ahnungsvolle der Geschichten, die er uns mit seiner gegenständlichen, aber nicht bloss figurativen Malerei vor Augen führt sowie die vielseitigen Bezüge der Bildmotive und der Malerei an sich. Bei den jüngsten Bildern nun greift Kotscha Reist zu einem neuen Verfahren, indem er die Sujets und einzelne Bildelemente auf der Leinwand zunächst abklebt. Danach malt er den Hintergrund und erst zum Schluss die ausgesparten Partien. Auf diese Weise wirken diese mal malerischer, mal zeichnerischer und stellenweise wie aufgedruckt. Damit erweitert Kotscha Reist sein gestalterisches Repertoire und die Reflexion darüber sowie über die Bildinhalte und ihre Erscheinung auf der Leinwand. Kotscha Reist geht von konkreten, mithin alltäglichen Sujets aus: Menschen, Tiere, Pflanzen, Objekte, Architekturen, Szenen im Innen- und Aussenraum; häufig ausschnitthaft, mitunter wiederkehrend wie die Mohnpflanze, ein Zelt oder einzelne Vögel. Er arbeitet nach Vorlagen - Texte und Geschichten sowie Bilder oder Fotografien; eigene wie gefundene, aus den Medien oder dem Internet. Nicht selten rückt er scheinbar beiläufige Ereignisse und Nebenschauplätze in den Fokus, wobei Motive und Bildtitel keine eindeutig schlüssige Geschichte ergeben. Sie evozieren vielmehr individuelle Geschichten, die zusammengedacht Ansätze eines kollektiven Gedächtnisses im Sinne dieses angedeuteten Etwas’ ergeben. Referenzen auf Vorbilder der Kunstgeschichte, auf andere Künstler*innen oder eigene Bilder, die Kotscha Reist in neueren Arbeiten verschiedentlich ‘wiederaufführt’, haftet ferner das Phänomen des Nachbildes an (‹Heritage 5›; ‹Comptoir de Mystique›): Eine Art Nachleuchten wie beim Bild ‹After the show›, worauf die Konturen des letzten Bildes einer Diaprojektion – die Figur eines Skifahrers – gerade noch erkennbar sind. Im Momenthaften von Kotscha Reists Bildern scheinen Präsenz und Absenz, die Gegenwärtigkeit des Augenblicks wie auch seine Vergänglichkeit gleichzeitig auf. Die helltonige und eher feine, aber nicht minder signifikante Malweise geht mit der Ambivalenz zwischen Aufscheinen und Verblassen einher und holt die Bilder gleichsam aus der Vergangenheit und Erinnerung zurück in eine Gegenwart der Erscheinung.

Veranstaltungsort

Galerie Bernhard Bischoff & Partner
Waisenhausplatz 30
3001 Bern
mail@bernhardbischoff.ch