Kino Aktuell Jaffa

Zoom auf einen Konflikt

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 14.07.2010

Eine Liebesgeschichte zwischen einer Israeli und einem Palästinenser? Das klingt nicht neu. Doch was die israelische Regisseurin Keren Yedaya daraus macht, ist imponierend.

Noch ahnt der Palästinenser nicht, was der Bruder seiner israelischen Geliebten im Schilde führt.

Noch ahnt der Palästinenser nicht, was der Bruder seiner israelischen Geliebten im Schilde führt.

Jaffa

Wo & Wann

HeuteKalender
Lido, Biel/Bienne 15:30, 17:30

Trailer

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Seit Jahrhunderten wird die Hafenstadt Jaffa am Mittelmeer umkämpft. Heute gehört sie zur Gemeinde Tel Aviv, etwa ein Drittel ihrer Einwohner sind Araber mit israelischen Pässen, und damit ist der Konflikt programmiert. Mitten in diesen hinein zieht uns der zweite Spielfilm der israelischen Regisseurin Keren Yedaya («Or»). Er siedelt die verhängnisvolle Liebesgeschichte zwischen einer Israeli und einem Palästinenser in einer Autogarage in Jaffa an.

Der israelische Vater führt die Werkstatt mit seinem streitsüchtigen Sohn, dem Mechaniker Meir. Der mag nicht einmal den kleinen Finger rühren, umso fleissiger schimpft er stattdessen über den palästinensischen Mitarbeiter Toufik (Mahmud Shalaby), der tüchtig, aber halt Araber ist. Zum Glück weiss Meir im Gegensatz zu uns nicht, dass Toufik im Geheimen die Hochzeit mit Meirs Schwester Mali plant, die in der Garage das Telefon beantwortet. Sie trifft Toufik zu nächtlichen Rendezvous im Niemandsland und erwartet sein Kind.

Die beeindruckende Dana Ivgy spielt Mali als scheinbar unbeteiligte Beobachterin, das windstille Auge im Zentrum des Wirbelsturms. Dieser bahnt sich in einer langen, beklemmenden Einstellung im Esszimmer der Familie an: Meirs dunkel brodelnde Aggressivität treibt die Mutter (Ronit Elkabetz, die Barbesitzerin aus «The Band’s Visit») dazu, ihn rauszuwerfen. Anderntags bricht sein Hass gegen Toufik aus, und bald stehen viele Autos unrepariert vor der Garage.

Das Melodram erzählt eine bekannte Story auf fesselnde Art, zeigt ein Milieu präzis und ohne Kalendersprüche über die alles überwindende Kraft der Liebe. Zooms und Grossaufnahmen wirken in anderen Filmen oft billig, doch Yedaya setzt sie klug ein: Wenn die Kamera Details heranholt, wird deutlich, dass es bei jeder Erzählung auf den Ausschnitt ankommt, dass hier in Jaffa auf den Israel-Palästina-Konflikt gezoomt wird. So verbindet der Film politischen Anspruch mit einer stilisierten Ästhetik.

Jaffa

Regie:Keren Yedaya
Produktion: 2009; 106 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:15.07.2010
Darsteller:Dana Ivgy, Moni Moshonov, Ronit Elkabetz, Mahmud Shalaby, Hussein Yassin Mahajne

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