Nase hoch beim Übersetzen!
Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 27.11.2009
1/6
Die 5 Elefanten (links), Swetlana Geier.
User-Rating
Wo & Wann
Heute![]() |
|
|---|---|
| Heute keine Vorführungen. | |
Trailer
Haben Sie sich auch schon mal gewundert, warum Dostojewskis berühmter Roman nicht mehr «Schuld und Sühne», sondern «Verbrechen und Strafe» heisst? Wegen Swetlana Geier. Denn diese Frau hat die fünf Grossromane des grossen Russen, die sie «die Elefanten» nennt, neu übersetzt. Ihr hat Vadim Jendreyko einen Dokumentarfilm gewidmet. Er ist gleichsam das Gegenstück zu Jendreykos Film aus dem Jahr 2002, «Bashkim», denn der handelte von einem Mann, der zuschlägt, statt zu denken.
Leben mit Widersprüchen
In «Die Frau mit den 5 Elefanten» dagegen sehen wir Swetlana Geier meist beim Denken zu. Gern zitiert sie eine Lehrerin, die sagte: «Nase hoch beim Übersetzen!» Gemeint ist nicht Hochnäsigkeit, sondern dass man beim Übersetzen immer wieder vom einzelnen Satz hochblicken und das Ganze überschauen muss.
Grosse Kunst vermag gewaltige Widersprüche in sich zu bergen, und grosse Widersprüche gibt es auch in Geiers Leben: Die Nazis töteten die beste Freundin der 1923 in Kiew geborenen Swetlana Iwanowa. Dennoch arbeitete diese während der deutschen Besetzung der Sowjetunion als Dolmetscherin für die deutsche Akademie der Wissenschaften und ging nach dem Rückzug der Wehrmacht mit nach Deutschland. Dort setzte sich ein Beamter dafür ein, dass Swetlana ein Humboldt-Stipendium erhielt: Er wurde danach an die Ostfront geschickt.
Die Übersetzerin beim Kochen
Jendreyko zeigt uns Frau Geier bei der Arbeit, beim Kochen und auf ihrer ersten Reise seit 1943 zurück nach Kiew. In den schlechtesten Momenten des Films fragt man sich: Warum müssen wir der Frau beim Kochen zusehen? Und in seinen besten begreifen wir, warum jemand sein ganzes Leben dem Übersetzen weiht.
Die Frau mit den 5 Elefanten
| Regie: | Vadim Jendreyko |
| Produktion: | Germany, Switzerland 2009; 92 min. |
| Genre: | Documentary |
| Erstaufführung: | 19.11.2009 |
| Darsteller: | Svetlana Geier, Anna Götte, Hannelore Hagen, Jürgen Klodt, Johannes Geier |
Kommentar schreiben / Rating abgeben
5 KOMMENTARE
Susanne Schwendener
sehr eindrückliches Portait einer grossartigen Frau;sensibel in Szene gesetzt
Gert (Andrjuuscha) Keller
Mit Swetlana Michjailowna kann man keinen schlechten Film machen


