Kino Aktuell Troubled Water

Michael Moore ist begeistert

Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 27.01.2010

Nachdem er wegen Kindsmord im Gefängnis gesessen hat, beginnt ein junger Mann ein zweites Leben als Organist in einer Kirche. Ein Drama, das unter die Haut geht.

1/3 Der verurteilte Kindsmörder Thomas (Pål Sverre Valheim Hagen) hat im Gefängnis das Orgelspielen gelernt.

Troubled Water

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Als «absolut besten Film», den er in den letzten Jahren gesehen habe, bezeichnete Michael Moore dieses norwegische Drama. Das Lob überrascht in zweierlei Hinsicht: Erstens übertreibt Moore für einmal kaum. Und zweitens ist «Troubled Water» weder Bush-Bashing noch Marxismus-Lehrstück. Das Drama dreht sich um einen jungen Mann in Oslo, der als Halbwüchsiger ins Gefängnis musste und sich nun nach seiner Entlassung eine neue Existenz aufzubauen versucht.

Fein orchestriert

Dieser Halbwüchsige hatte einen Kinderwagen gestohlen, und kurz darauf lag ein Baby tot auf dem Grund eines Flusses. Für den Richter war trotz mangelnder Beweislast klar: Es war Mord. Acht Jahre später darf der Täter Thomas (Pål Sverre Valheim Hagen) das Gefängnis verlassen. Hinter Gittern hat er sich im Orgelspiel geübt. Nun bekommt er eine Anstellung in einer Kirche. Thomas begeistert mit seinem Spiel, gewinnt das Herz einer Pastorin und alleinerziehenden Mutter (Ellen Dorrit Petersen) und freundet sich auch mit ihrem Jungen an. Doch dann entdeckt ihn die Mutter des vor acht Jahren ermordeten Kindes.

Der norwegische Regisseur Erik Poppe («Hawaii, Oslo») erzählt die Geschichte zunächst aus der Perspektive von Thomas, nimmt dann diejenige der Mutter des toten Kindes ein und lässt zum Schluss beide Stränge zusammenlaufen. Der «Rashomon»-Kniff funktioniert, von Redundanz keine Spur: Die zweispurige Erzählweise fügt der bewegenden Geschichte eine zusätzliche verstörende Komponente bei. Wie sein meisterliches britisches Pendant «Boy A» (2007), das ebenfalls von einem jungen Kindsmörder handelt, meidet «Troubled Water» das seichte Gewässer und bleibt jeder wohlmeinenden Vergebungsromantik fern. Das ist auch ein Verdienst der Schauspieler. Hauptdarsteller Pål Sverre Valheim Hagen hat zudem intensiv das Orgelspiel geübt und beeindruckt mit einer fantastischen Version von Paul Simons «Bridge Over Troubled Water». Ein in jeder Hinsicht wunderbar «orchestrierter» Film.

Troubled Water

Regie:Erik Poppe
Produktion:Germany, Norway, Sweden 2008; 115 min.
Genre:Drama, Music
Erstaufführung:28.01.2010
Darsteller:Pål Sverre Valheim Hagen, Trine Dyrholm, Ellen Dorrit Petersen, Fredrik Grøndahl, Trond Espen Seim

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5 KOMMENTARE

Markus Ruckstuhl

star5

Der Film hat mich begeistert - fesselnd - fantastisch gespielt - ...


Simon Pfister

star5

Der beste skandinavische Film seit "Brothers" - ein grossartiges und fesselndes Drama, das bestimmt niemanden unberührt lassen wird.


Daniela Paris

star5

Ein Film der unter die Haug geht...mit Tiefgang, packend! Nach Filmende war es im Kinosaal ganz still...man spürte förmlich wie das Publikum das Ganze am Verarbeiten und die Gedanken am sammeln war! Sehr gut gespielt vor allem auch vom Hauptdarsteller. Bei den Orgelstücken kriegt man Gänsehaut...einfach fantastisch!


Vilma Valentino

star5

Der Film ist ganz einfach genial! Heikles Thema von erstklassigen Schauspielern grossartig umgesetzt. Auch einzelne Kameraeinstellungen sind einzigartig! Ein Film, der unter die Haut geht und dass es ein Geheimnis bleibt, woran letztendlich das Opfer gestorben ist, stimmt nachdenklich... Bin voll des Lobes!


Thérèse Haefele

star4

Der Film ist so gut, dass die Amis es wieder mal nicht sein lassen können und ein Remake daraus machen müssen. Ich hoffe, der norwegische Film bleibt unübertrefflich.



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