Mann ohne Verpflichtung
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 02.02.2010
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Trailer
Ryan Bingham (George Clooney) hebt ab. Immer und immer wieder. Sein Job besteht darin, quer durch die USA zu fliegen, um andere Leute aus ihren Jobs zu befördern. Ein zeitgemässes Thema, gewiss. Doch wen soll das Schicksal eines manischen Vielfliegers und Rausschmeissers kümmern?
Unmögliche Helden?
Genau solche Figuren sind die Spezialität von Jason Reitman, einem der hoffnungsvollsten jungen Regisseure Hollywoods. In «Thank You for Smoking» (2005) wars ein spitzzüngiger Tabaklobbyist, in «Juno» (2006) eine schwangere Jugendliche, die Reitman zu Helden erhob. Unmögliche Identifikationsfiguren? Nicht bei Reitman. Zwar greift er auf Buchvorlagen («Thank You for Smoking», «Up in the Air») oder fremde Drehbücher zurück («Juno» bescherte Diablo Cody einen Oscar), macht sich dabei aber das «schwierige» Personal auf unvergleichliche Art zu eigen. Die Faustregel: Je sperriger der Charakter, desto besser für die Geschichte.
In «Up in the Air» ist es der bindungsscheue Ryan Bingham, der einen beruflich abstösst, privat aber ans Herz rührt. Zwei Frauen kreuzen seinen Weg und hinterfragen dabei seine Lebensphilosophie, die im Wesentlichen darin besteht, keine Verpflichtungen einzugehen. Da ist die Uniabgängerin Natalie (Anna Kendrick), die Ryans Chef vorschlägt, Arbeitnehmer künftig nur noch per Webcam zu feuern. Das Grounding für Ryan? Nein, so einfach lässt sich dieser seinen Traum von zehn Millionen Flugmeilen nicht nehmen und bricht mit Natalie zu einer Art Bewährungstour auf.
Und da ist Alex (Vera Farmiga), die ebenso auf Statussymbole und schnellen Sex abfährt wie Ryan. Umwerfend die Szene, in der sich die beiden in einer Hotelbar mittels Vergleich ihrer Kreditkarten und Leihwagenschlüssel bezirzen. Doch dann weckt ausgerechnet Alex in Ryan den Wunsch nach einer Beziehung. Und als wäre das nicht paradox genug, muss Ryan kurz vor der Hochzeit seiner Schwester dem künftigen Schwager gut zureden, nachdem dieser kalte Füsse bekommen hat. Ist da der Unverbindlichkeitsprediger bereits zum Family-Man «konvertiert»?
Opfer der eigenen Methode
Regisseur Reitman verrät es nicht. «Up in the Air» lässt den Gemütszustand seines Helden wunderbar in der Schwebe und hält stattdessen weitere Überraschungen bereit, etwa wenn Natalie ein Opfer ihrer eigenen Kommunikationsmethoden wird, als ihr Freund per SMS Schluss macht.
Manchmal mag dem Film die allerletzte Konsequenz fehlen. Doch punkto Figurenzeichnung ist er herausragend: Clooney füllt die Rolle des geschmeidigen Rausschmeissers mit Charme (wer könnte die Rolle des heiratsscheuen Nomaden besser verkörpern?). Und er kriegt Schützenhilfe von zwei Frauen, die ihm punkto Sexyness und Schlagfertigkeit locker das Wasser reichen.
Up in the Air
| Regie: | Jason Reitman |
| Produktion: | USA 2009; 105 min. |
| Genre: | Comedy, Drama, Romance |
| Erstaufführung: | 04.02.2010 |
| Darsteller: | George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Amy Morton |
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7 KOMMENTARE
Martin Derungs
Ja, nicht schlecht. Sehr klischeehaft, die Figuren, aber es macht Spass, ihnen zuzusehen, und neben den lustigen und leichten Momenten gibt es auch viele Berührungen mit dem "Ernst" des Lebens, über die der Film nicht leichtfertig hinweggeht, er lässt dem Zuschauer Zeit. Die Filmmusik hat mir besonders gefallen. Netter Film.
aen varga
der neigt aber zur langeweile, der film. es hat zwar eine gute ebene, die durchaus sehr philosophisch betrachtet werden könnte, aber nur andeutungsweise zur sprache kommt. der rest: ziemlich plump, irgendwie.
Lisa Steiner
mir gefiel der film sehr - nicht allein wegen george clooney. Auch in der übrigen Welt GLOCAL zur zeit grossgeschrieben, auf kosten der menschlichkeit.
Thérèse Haefele
Die Story ist super, der Film als solches ist ganz OK. Verstehe jedoch nicht, weshalb der Film in der Kritik dermassen gelobt wird.


