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Kinderspiele im Sarg

Von Pascal Blum. Aktualisiert am 07.01.2010

Eine lebensmüde Frau beschliesst, ihre Liebsten zusammenzubringen. Die Komödie aus Mexiko ist nicht nur schwarz, sondern geht ans Herz.

1/6 Rat mal, wer zum Leichenschmaus kommt. Die kurzsichtige, aber riechkräftige Cousine der Verstorbenen.

Cinco días sin Nora

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Nora wird bald sterben: Sie deckt den Festtisch, schreibt Nachrichten, schaut aus dem Fenster. Der Anfang des Komödienerstlings von Mariana Chenillo aus Mexiko ist ein Stillleben dunkler Vorahnung. Wir erfahren nicht genau, wieso Nora die tödlichen Pillen schluckt. Wichtiger ist, was danach geschieht. Seit zwanzig Jahren ist Nora von ihrem Mann José geschieden, der gegenüber wohnt und die Schlüssel zu ihrer Wohnung besitzt. Als er Pakete tiefgekühlten Fleisches erhält, die für Nora bestimmt sind, bringt er sie vorbei und entdeckt die Leiche. Im Kühlschrank stapelt sich ein Festessen mit Tipps auf Post-its, wie es zu würzen sei. Will Nora ihrem Ex noch aus dem Jenseits eins auswischen? Der ungläubige Jude José bestellt erst mal die Zügelmänner vom christlichen Friedhof, doch dann steht der Rabbiner vor der Tür.

Makabre Komödie

Nora ist nämlich zu Beginn des Pessach-Fests gestorben, und danach ist Sabbat, was für Strenggläubige eine rasche Beerdigung verunmöglicht. Also kommt für die Totenwache ein junger Konvertit vorbei. Um ihn zu ärgern, bestellt José eine Pizza mit Schweinswurst. Dann trudelt Josés Sohn mit seiner Familie ein und lässt die kleinen Töchter im Sarg spielen. Darauf klingelt die Haushälterin und stösst Noras Cousine dazu, die ziemlich schlecht sieht, aber den richtigen Riecher hat. Langsam schält sich heraus, was Nora so listig geplant hat, und schliesslich ringt sich José zu einer grossen Geste durch.

Manchmal geht im Kino die Sonne auf. «Cinco días sin Nora» greift ans Herz, weil darin der Tod das Leben in Gang bringt. Die Schauspieler sind alle lustig, das Drehbuch ist elegant gebaut. Schön ist auch der lakonische Humor der Bilder: Damit die Leiche nicht verwest, kühlen die Bestatter die Wohnung mit der Klimaanlage so tief hinunter, dass die Figuren den ganzen Film lang in Winterjacken stecken, und das mitten in Mexiko.

Cinco días sin Nora

Regie:Mariana Chenillo
Produktion:Mexico 2008; 92 min.
Genre:Comedy, Drama
Erstaufführung:07.01.2010
Darsteller:Fernando Luján, Enrique Arreola, Ari Brickman, Juan Carlos Colombo, Marina de Tavira

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4 KOMMENTARE

danilo buso

star5

nicht verpassen sehr guter film


Thérèse Haefele

star4

schwieriges Thema ganz toll umgesetzt und verfilmt, Taschentücher mitnehmen!


Monika Huwiler

star4

Wieder ein sehr guter Film, der ein Fenster zu anderen Kulturen öffnet


Lisa Steiner

star4

schön, tiefsinnig und trotz des tragischen Themas humorvolle Szenen - masseltow



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