Kampf in der Vertikalen
Von Florian Leu. Aktualisiert am 03.02.2010
1/11
Da waren es noch zwei: Reinhold Messner (Florian Stetter) und Bruder Günther (Andreas Tobias).
User-Rating
Wo & Wann
Heute![]() |
|
|---|---|
| Heute keine Vorführungen. | |
Trailer
Am Anfang klettern zwei Buben eine Dorfmauer hoch, am Ende irren zwei Männer mit Eiskristallen in den Bärten durchs Gebirge. Dazwischen durchsteigen die Brüder Reinhold und Günther Messner die Dolomiten, frieren sich die Zehen schwarz, sehen Geister im Schneegestöber. Regisseur Joseph Vilsmaier fand in der Geschichte über ihre Expedition am Nanga Parbat einen Stoff, kalt und schwer wie eine Lawine. Eine Geschichte, die nur aushält, wer auch im Kino dicke Kleider trägt.
Filmreife Erinnerungen
Die Messners erklommen den Achttausender im pakistanischen Hinterland trotz schlechten Wetters, Günther erlebte auf dem Gipfel beim Klick der Kamera den letzten Glücksmoment seines Lebens, während des Abstiegs verschwand er in einer Lawine. Reinhold reiste ein Dutzend Mal an die Stelle zurück, um seinen Bruder zu suchen. Nach einem Vierteljahrhundert erst tauchten die Überreste auf, eine zerfetzte Jacke und zersplitterte Knochen. Der Film stützt sich auf Messners Erinnerungen.
Es sind filmreife Erinnerungen. Man sieht Bilder, die einen glauben lassen, man sässe auf einer Wolke und schaute auf die Männer im Schnee hinab. Der Film hat eine Wucht, wie sie im deutschen Kino vielleicht wirklich nur Vilsmaier hinbekommt, der mit «Schlafes Bruder» zeigte, dass er auf der Klaviatur der Gefühle volle Akkorde greifen kann. Sein Film bleibt spannend trotz der Tatsache, dass es sich bei Gebirgsfilmen meist um eine Art Beckett in der Todeszone handelt: Die Dialoge werden zu Satzfetzen, die Helden kommen nicht vom Fleck, auf die Rettung warten sie vergeblich.
Krieg gegen den Berg
Störend sind die sentimentalen Einsprengsel: Man sieht immer wieder die besorgten Gesichter der Verwandten, wenn sie eine Ahnung vom Schicksal der Brüder streift. Störend ist oft auch die Sprache, die klingt, als hätte Leni Riefenstahl das Drehbuch geschrieben: Es geht um den «Kampf in der Vertikalen», den «Krieg gegen den Berg», den «Angriff auf den Gipfel». Die stillen Momente sind die stärksten: Wie Andreas Tobias als Günther Messner im Schein der Stirnlampe dem Tod entgegentaumelt. Wie Florian Stetter als Reinhold Messner, ausgezehrt und übersät von Frostbeulen, sich über eine gigantische Geröllhalde schleppt und den Namen seines Bruders in die Kälte schreit - das hat rohe Kraft.
Nanga Parbat
| Regie: | Joseph Vilsmaier |
| Produktion: | Germany 2010; 100 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 04.02.2010 |
| Darsteller: | Florian Stetter, Andreas Tobias, Karl Markovics, Sebastian Bezzel, Volker Bruch |
Kommentar schreiben / Rating abgeben
1 KOMMENTARE
ISabel Gantenbein
Schöner, tragischer Film. Schöne Aufnahmen, etwas ähnlich wie "Nordwand", trotzdem ein guter, gelungener Film über eine der schönsten Sportarten der Welt.


