«Jetzt lass mich mal!»
Von Pascal Blum. Aktualisiert am 21.10.2009
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Johanna Wokalek, anziehende Härte: Von der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin zur Päpstin im Ornat.
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Trailer
In Johanna Wokalek hat ein Produzent von «Die Päpstin» das «Mekka der Schauspielkunst» entdeckt. Zu einem Film über ein zweifelhaftes Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche hätte das «Lourdes der Schauspielkunst» vielleicht besser gepasst, aber seit «The Da Vinci Code» nimmt das Kino die Kirche sowieso nicht mehr ernst. Nun hat Sönke Wortmann («Das Wunder von Bern») auch noch den Superbestseller von Donna Woolfolk Cross episch ausgepolstert.
Mit Hingabe gespielt
«Die Päpstin» erzählt verschwörerisch von einer Emanzipation unter der Kutte: Im 9. Jahrhundert steigt die Heldin in der Verkleidung des Mönchs bis zum Thron des Heiligen Vaters auf, ohne zu verraten, dass sie eine unheilige Mutter ist. Johanna Wokalek spielt die Päpstin mit kontrolliertem Feuer und anziehender Härte. Sie legt so viel Ernst hinein, wie es geht, wenn nebenan John Goodman im Bett hustet und gegenüber Anatole Taubman als Diener im bunten Nachthemd Intrigen spinnt. Habe ich erwähnt, dass alle Haarkränze tragen?
Gefährliche Draufgängerinnen
Johanna Wokalek wird 1975 in Freiburg im Breisgau geboren. Noch in der Zeit ihres Schauspielstudiums in Wien ergatterte sie eine Rolle im Kinofilm «Aimée & Jaguar». Am Burgtheater trat sie als Emilia Galotti und Königin Margaret auf. Die Berlinale adelte sie zum europäischen Shootingstar. Wer Johanna Wokalek beschreibt, braucht vor allem Wörter mit K: kämpferisch, kühl, konzentriert. In ihrer Stimme liegt Verheissung, ihre Mimik ist penibel dosiert.
Zum Beispiel rettete sie neulich als Fotografin im historischen Kletterdrama «Nordwand» einem Bergsteiger beinahe das Leben, obwohl sie eigentlich Kaffee brühen sollte. Danach explodierte sie in «Der Baader Meinhof Komplex» mit dem Hass der Jugend als historische RAF-Terroristin Gudrun Ensslin. Es war eine Nebenrolle, doch beim Deutschen Filmpreis war sie in der Kategorie der Hauptrollen nominiert. Ihre fast erste Zeile in dem Film lautet: «Jetzt lass mich mal!» So gefährlich sind Johanna Wokaleks Draufgängerinnen immer: Sie wissen, dass ihre Zeit gekommen ist, und brennen darauf, dass die anderen es auch merken.
Natürlich tragen nur Könner 148 Minuten lang einen Kostümfilm über eine Päpstin. Die Zeit von Johanna Wokalek hat längst begonnen, und das meiste, was kommt, gehört ihr. Bald spielt sie neben Daniel Brühl. Der Film heisst «Die kommenden Tage».
Die Päpstin
| Regie: | Sönke Wortmann |
| Produktion: | Germany, Italy, Spain, UK 2009; 148 min. |
| Genre: | Drama, Romance |
| Erstaufführung: | 22.10.2009 |
| Darsteller: | John Goodman, David Wenham, Iain Glen, Johanna Wokalek, Anatole Taubman |
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6 KOMMENTARE
Simone Königer
Ein sehr gelunge Verfilmung des Romans, von einem der besten deutschen Regisseure - Sönke Wortmann - mit großartigen Schauspielern. Keine Minute langweilig!
Vilma Valentino
Mir hat der Film sehr gut gefallen. Bin von der ersten Minute abgetaucht in die Geschichte und erst wieder zu Hause etwas aufgetaut... Starke Besetzung!
Thérèse Haefele
Möchte hier mal löblich die Schauspieler in den Vordergrund drängen und diese für ihre glaubhafte Darstellung loben insbesondere den Mut von Wokanek für die echte Tonsur.
Simona Ninni
Habe das Buch gelesen, die Umsetzung ist ziemlich gut gelungen. Anatole Taubman kam irgendwie lächerlich rüber.


