Heimatfilm für Intellektuelle
Von Stefan Volk. Aktualisiert am 23.12.2009
1/9
Der Kaffee im Restaurant seines Bruders (Adam Bousdoukos) schmeckt Illias (Moritz Bleibtreu) sichtlich nicht.
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| Kino-Openair hof3, Trubschachen | 21:45 |
Trailer
Wer daran gewohnt ist, sich im Kino «mit Niveau zu langweilen», wie der Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki einst witzelte, will sich dort auch mal vorbehaltlos amüsieren dürfen. Anders ist kaum zu erklären, dass die Filmkritik bei den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig angesichts einer zwar netten, aber doch ziemlich simpel gestrickten Feelgood-Komödie wie Fatih Akins «Soul Kitchen» nahezu unisono in jubelnde Verzückung geriet und das muntere Filmchen des Deutschtürken am Ende gar mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde, als handele es sich um ein Werk von filmhistorischer Tragweite.
Spitzenkoch in Spelunke
Soviele Vorschusslorbeeren könnten einem beinahe den Spass verderben. Dabei geht es in «Soul Kitchen» wirklich lustig zu und her. Erzählt wird die Geschichte des Deutschgriechen Zinos (Adam Bousdoukos), der in Hamburg ein ambitionsloses Restaurant betreibt und dessen ungleich anspruchsvollere Geliebte ihn sitzen lässt, um als Auslandskorrespondentin in China einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Weil ein Unglück selten allein kommt, fängt auch noch Zinos’ Bandscheibe an zu zwicken. Notgedrungen stellt der malade Chef einen Koch (Birol Ünel) ein, der mit seinen Feinschmeckerrezepten zwar die Stammkundschaft vertreibt, aber dem Restaurant zu einem ungeahnten Aufschwung verhilft. Dafür, dass dabei nicht alles ruhig verläuft, sorgen Zinos’ spielsüchtiger Bruder Illias (Moritz Bleibtreu), der als Freigänger dringend einen Job braucht, um nicht in den Knast zurück zu wandern, eine wilde, kreative Kellnerin und Zinos’ alter Schulfreund Neumann, der als Immobilienmakler ein Auge auf das Restaurant geworfen hat, und sich dabei wenig um die Belange derjenigen schert, die sich den neuen Schick dann nicht mehr leisten können.
Multi-Kulti-Komödie
Mit diesem Hauch von Sozialkritik rundet Akin die routiniert gespielte Multikulti-Komödie ab, die sich nach Aussagen des Regisseurs beim Dreh überraschend zu einer seiner bislang aufwändigsten Arbeiten entwickelte. Auf der Leinwand bietet der Film trotzdem leichte Kost und verschafft Akin vor dem dritten Teil (nach «Gegen die Wand» und «Auf der anderen Seite») seiner schwergewichtigeren Trilogie über «Liebe, Tod und Teufel» die gewünschte Atempause. Von einem «Heimatfilm» sprach Akin, weil hier auf herzerfrischend naive Weise soziale Wärme herrscht.
Und obwohl vor allem in der zweiten Hälfte auch das Klischee kräftig mitregiert, dürfen sich dank Akins Ruf als Kinorebell und Fassbinder-Epigone auch diejenigen daran erfreuen, die im Kino aus Prinzip kein Popcorn essen. Endlich ein Heimatfilm für Intellektuelle.
Soul Kitchen
| Regie: | Fatih Akin |
| Produktion: | Germany 2009; 99 min. |
| Genre: | Comedy |
| Erstaufführung: | 23.12.2009 |
| Darsteller: | Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, Anna Bederke, Pheline Roggan |
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15 KOMMENTARE
Chris Gut
Ein völlig überflüssiger Film, bei dem nichts haften bleibt. Die Geschichte gabs schon hundertfach besser (Underdog muss noch weiter untendurch, kriegt aber urplötzlich Erfolg). Humor gibt es keinen (ausser man findet lustig dass die Hauptfigur die meiste Zeit hinkt). Dass die Brüder Griechen sein sollen ist völlig willkürlich (notabene mit 1 deutschen Schauspieler) & die Romanzen unglaubw
Chris Gut
Ein völlig überflüssiger Film, bei dem nichts haften bleibt. Die Geschichte gabs schon hundertfach besser (Underdog muss noch weiter untendurch, kriegt aber urplötzlich Erfolg). Humor gibt es keinen (ausser man findet lustig dass die Hauptfigur die meiste Zeit hinkt). Dass die Brüder Griechen sein sollen ist völlig willkürlich (notabene mit 1 deutschen Schauspieler) & die Romanzen unglaubw
Monika Huwiler
Wunderbar unterhaltsam, man kann auch mal herzlich lachen, nicht einfach blöd lustig. Stimmt fröhlich
Alex Schmid
Der Film ist echt witzig. Warum - rückfrage an Chris Gut - sollte übrigens ein deutscher Schauspieler nicht einen Griechen spielen? Können nur Griechen Griechen spielen? Das wär ja ganz was neues. Nebenbei: Dass ein türkischer Regisseur einen Griechen zum Hauptdarsteller macht, hat noch einen interessanten Hintergedanken - aber das ist wohl nichts für die berühmten 57 %...
Gabriela Wald
macht grossen Spass, eifach abschalten und geniessen, kann ich nur empfehlen !
markus schifferle
ein feelgood movie der sonderklasse...erinnert irgendwie an seigi;) nur der allzu "dragan+alder"-mässige moritz bleibtrue wirkt etwas klischehaft. ansonsten ein retrofit designter movie der zum lachen bringt.


