«Heaths Arbeit sollte nicht verloren gehen»
Von Thomas Bodmer. Aktualisiert am 13.01.2010
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Heath Ledger als der zwielichtige Tony vor dem Zauberspiegel in Dr. Parnassus’ Imaginarium. Und wenn Tony durch diesen Zauberspiegel hindurchgeht …
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Trailer
Geboren 1940 in Minneapolis, studierte Terry Gilliam Politologie, kam 1967 nach Europa und wurde der einzige Amerikaner in der Monty-Python-Truppe, für die er zunächst die Animationssequenzen gestaltete. Zusammen mit Terry Jones führte er Regie bei «Monty Python and the Holy Grail» (1974). Zu seinen berühmtesten Werken gehören «Brazil» (1985) und «Twelve Monkeys» (1995).
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Mr. Gilliam, bei der Entstehung Ihrer Filme ist immer schon viel schiefgegangen: Sie haben sich mit Produzenten gestritten, und Ihren «Don Quichotte»-Film mussten Sie gar abbrechen. Bei «The Imaginarium of Doctor Parnassus» ist der Hauptdarsteller Heath Ledger kurz nach Drehbeginn gestorben. Sie haben den Film dennoch fertiggestellt. Warum?
Zuerst wollte ich alles hinschmeissen. Doch nach einer Woche haben mich meine Mitarbeiter und meine Tochter Amy, die den Film mitproduzierte, überredet, weiterzumachen; nicht zuletzt, weil Heath so tolle Arbeit geleistet hatte, und die sollte nicht einfach verloren gehen. Aber Sie können sich die Aufregung der Geld- geber vorstellen: Vier Tage nachdem der letzte Vertrag unterschrieben war, starb Heath. Da haben die geschrien: «Wir wollen unser Geld zurück! Sofort!»
Sie haben dann das Drehbuch umgeschrieben. Wie lang hat das gedauert?
Zwei Tage.
Das ist unglaublich schnell.
Ich glaube mittlerweile, dass ich Hindernisse brauche. Mein ehemaliger Monty-Python-Kollege, Terry Jones, hat immer schon gesagt, ich müsse kämpfen, brauche einen Feind. Und damit liegt er nicht ganz falsch. Ich bin vom Typ her jemand, der bei einem Film die Finger möglichst überall drin haben möchte. Doch eine Notsituation zwingt mich, meine Energie zu bündeln.
Was genau haben Sie am Drehbuch geändert?
In Parnassus’ Theater gibt es ja diesen Zauberspiegel, und wer ihn durchschreitet, kommt in die Welt seiner Fantasien. Tony, den Heath spielte, ist eine schillernde Figur, und jedes Mal, wenn er durch den Spiegel ging, sollte Heath eine neue Facette von ihm zeigen.
Jetzt bekommen Menschen, die durch den Spiegel gehen, auf der anderen Seite ein anderes Gesicht. War das die Hauptänderung?
Genau. Ursprünglich sollte sich ihre Kleidung verändern, nicht aber ihr Gesicht.
Und jetzt ist es umgekehrt, damit wir dem veränderten Gesicht zum Trotz merken, dass es immer noch dieselbe Figur ist. Jetzt spielen Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell die drei Tonys hinter dem Spiegel. Mit Depp hatten Sie schon gearbeitet. Wie kamen Sie auf die anderen zwei?
Es mussten Freunde von Heath sein. Johnny wollte sofort mitmachen, doch wir bekamen ihn nur, weil sich die Dreharbeiten zu Michael Manns «Public Enemies» verzögerten. Wir hatten ihn für einen Tag und drei Stunden, mehr nicht. Der kam und hat das so gebracht. Erstaunlich. Aber er kannte Heath, und wir hatten den dreien Material mit Heath gezeigt, damit sie sich daran orientieren konnten.
Sie haben gesagt, Sie seien weniger ein «auteur» als ein «filteur».
Ich hasse Regisseure, die so tun, als hätten sie alles selbst gemacht, und immer sagen: «mein Film». Früher wollte ich, dass die Leute ganz genau das machten, was ich mir ausgedacht hatte. Unterdessen gehe ich das lockerer an: Wenn ein Schauspieler etwas auf interessantere, über- raschendere Weise tut, als ich mir dachte, wäre ich doch blöd, darauf nicht einzugehen. Daher der «filteur»: Ich höre zu, was all die Leute mir vorschlagen, und siebe oder filtere dann das Beste heraus.
Eines habe ich nicht kapiert: Dr. Parnassus erzählt, er sei ursprünglich Mönch gewesen, danach machte er seinen Teufelspakt und wurde Direktor einer Wanderbühne. Warum eigentlich?
Das weiss ich nicht. Vielleicht ist alles, was er sagt, gelogen.
Moment: Ihr Kameramann, Nicola Pecorini, hat gesagt, Dr. Parnassus sei Ihr Alter Ego, seine Botschaft sei Ihre Botschaft.
Ich weiss nicht, was für eine Botschaft ich habe, und so weiss ich auch nicht, was Parnassus für eine hat (kichert). Ich habe keine Botschaft. Ich ver- suche, andere dazu zu ermutigen, ihre Fantasie zu brauchen, Geschichten zu erfinden.
Na bitte, das ist doch eine Botschaft: Braucht eure Fantasie!
Es heisst immer, ich sei ein Regisseur des Fantastischen. Ich selbst empfinde mich jedoch als Dokumentaristen: Ich zeige das, was ich sehe. Vielleicht sehe ich einfach mehr als andere, weil ich nicht immer schon zu wissen glaube, was ich sehe, sondern mir die Dinge wirklich anschaue.
The Imaginarium of Doctor Parnassus
| Regie: | Terry Gilliam |
| Produktion: | Canada, France, UK 2009; 122 min. |
| Genre: | Adventure, Fantasy, Mystery |
| Erstaufführung: | 07.01.2010 |
| Darsteller: | Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law, Colin Farrell, Tom Waits |
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3 KOMMENTARE
kurt fischer
Als eigentlicher Terry Gilliam-Fan haben mich vor allem die gewaltigen und wundervollen Fantasiewelten vom Kinosessel gehauen. Gilliam Pur! Leider gibt es zwischdurch etwas viel Gelabber, weshalb ich sogar kurz eingeschlafen bin. Unvergesslich: Jude Law auf der Riesenleiter bez. Riesenstelzen!
Martin Derungs
Gut gemacht. Terry Gilliam kann das. Aber der Film ist... er hat mich nicht berührt. Ich würde sagen: Ja ja. Unnötiger Film. Kein Vergleich mit anderen Filmen von Terry Gilliam.
Doris Ingold
Genial der subtile/skurile Humor wie bekannt von Monty Python, "Fear & Loathing in Las Vegas". Die Fantasiewelten waren buchstäblich traumhaft. Heath Ledger hat ein Meisterstück abgeliefert. Perfekte Adaption seines Charakters durch die anderen Schauspieler. Mein Favorit: Johnny Depp als Tony, der Verführer. Dem "Sexiest Man Alive" auf den Leib geschnitten...


