Hauptsache, es funktioniert
Von Stefan Volk. Aktualisiert am 04.12.2009
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Trailer
Es gibt zwei Arten von Woody-Allen-Filmen. Die, in denen der «Stadtneurotiker» (1977) mit seinem konfusen Charme und seinen fahrigen Intellektuellenmonologen alle in den Schatten stellt. Und die, in denen er selbst in einer Nebenrolle oder ganz hinter der Kamera verschwindet. In seinen witzigsten Filmen («Was Sie schon immer über Sex wissen wollten», 1972) übernimmt Allen die Hauptrolle selbst. In seinen schönsten Filmen («Hannah und ihre Schwestern», 1986) überlässt er sie anderen. «Whatever Works» gehört zur dritten Sorte. Woody Allen spielt darin die Hauptrolle, ohne dabei zu sein.
An seiner Stelle gibt «Seinfeld»-Autor Larry David den spleenigen Hypochonder John, der beim Händewaschen immer zweimal hintereinander «Happy Birthday» singt, weil er glaubt, nur so den heimtückischen Bakterien auf den Leib rücken zu können. Unnötig zu erwähnen, dass John in New York lebt. Weil Larry David aber jünger, grösser und kräftiger ist als Woody Allen, verleiht der Regisseur seinem Stellvertreter doch noch eine eigene Note: Er zeichnet ihn als arroganten Misanthropen mit überdurchschnittlichem IQ, der die Kinder, die er im Schachspiel unterrichtet, allesamt für kleine Versager hält, was er ihnen auch unverblümt zu verstehen gibt.
Flucht in den Big Apple
Statt an ein aufgescheuchtes Huhn erinnert diese boshafte Woody-Version eher an einen eitlen Gockel. Entsprechend unwirsch reagiert John, als eine junge Frau vor seiner Tür steht und ihn um etwas zum Essen anbettelt. Weil die hübsche Melodie, die aus ihrem beengenden Südstaatenzuhause in den Big Apple geflüchtet ist, aber einen so niedlich verlorenen Eindruck macht und John tief innen eben doch ein netter Kerl ist, bittet er sie herein, lässt sie eine Nacht bei sich schlafen, ein paar Tage dort wohnen. Dann heiratet er sie. Dass John ein miesepetriges Genie und Melodie ein liebenswertes Dummchen ist, er faltig, sie knackig – was solls. «Whatever Works», Hauptsache, es funktioniert, lautet die Botschaft des Films, der noch so manche Überraschung parat hält.
Hymne auf die Freiheit
Als Erstes taucht Melodies Mutter in New York auf, eine verbiesterte Puritanerin – bis sie der City-Flair packt und sie ihre unterdrückte Sexlust in einer zwanglosen Ménage à trois auslebt. Whatever works eben. Als Nächstes klopft Melodies Vater an, um seine Frau zurückzuholen. Aber kaum hat er eine New Yorker Bar betreten, outet er sich als schwul. Diese Metamorphosen vom Klein- zum Freigeist vollziehen sich so unvermittelt und klischeehaft, dass sie nur komisch gemeint sein können.
«Whatever Works» liesse sich daher als heitere Hymne auf die Vielfalt unterschiedlicher Lebensmodelle verstehen, in der auch ein Mann wie Woody Allen Platz fände, der seine 34 Jahre jüngere Adoptivtochter geheiratet hat. Ausgehend von der Vorstellung, dass die armen Bible-Belt-Hinterwäldler alle nur sehnlichst darauf warten, von New York aus ihrem konservativen Familienschlaf wachgeküsst zu werden, entwirft «Whatever Works» aber doch wieder nur eine (Gegen-)Ideologie, der es nicht gelingt, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.
Whatever Works
| Regie: | Woody Allen |
| Produktion: | France, USA 2009; 92 min. |
| Genre: | Comedy, Romance |
| Erstaufführung: | 03.12.2009 |
| Darsteller: | Larry David, Adam Brooks, Lyle Kanouse, Michael McKean, Clifford Lee Dickson |
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4 KOMMENTARE
Chuchi Chaeschtli
Allen, wie man ihn kennt, vielleicht schon ein wenig altersmilde...


