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Alte Garde muss nochmals ran

Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 05.01.2010

«Champions» von Riccardo Signorell ist eine bodenständige Hockeykomödie. Ein kleines Wunder, gingen dem Film doch heftige Differenzen zwischen Regie und Produktion voraus.

1/9

Champions

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Es hätte sein persönlichster Film werden sollen: «Champions», die erste Komödie des früheren Eishockeyprofis Riccardo Signorell, wurde jedoch nach heftigen internen Zerwürfnissen ohne Zutun des Regisseurs fertig gestellt. Ein persönlicher Albtraum? Ja. Ein filmisches Desaster? Nein.

«Champions» lässt noch einmal die Geschichte des EHC Arosa aufleben: Dem renommierten Bündner Hockeyclub droht aus Geldnot und Spielermangel der Zwangsabstieg in die 1. Liga. Auf dem absteigenden Ast ist auch der 47-jährige Gigi Poltera (Marco Rima). Als Pöstler ist er am Versauern, seine Frau (Stephanie Japp) geht mit dem Club-Manager (Peter Jecklin) ins Bett und Sohn Tim (Marc Arnold) findet den Papa nur noch peinlich.

Kurz: Gigi braucht ein Comeback – und zwar auf allen Ebenen. Nach ein paar Flaschen Bier rauft er sich mit Sturzi (Andrea Zogg), seinem besten Freund aus alten Hockeytagen, zusammen. Gemeinsam mit ehemaligen Teamkameraden sind sie entschlossen, den Club zu retten. Sonst müssten die Junioren, darunter Gigis Sohn, zum Erzfeind HC Davos.

Anrührend, gewitzt und mit leicht überdrehtem Echtheitszertifikat präsentiert sich «Champions» als sportliche Männertherapie, in der manchmal mehr gebechert als gespielt wird. Egal. Die neue Leichtigkeit steht Regisseur Signorell. Er, der bislang eher schwereren Dramen («Scheherazade», «Nocturne») zugetan war, schöpft hier aus seiner sportlichen Vergangenheit. Da wird das Eisfeld zum «Gletscher», die Bierflaschen kommt als «kalti Knöcha» auf den Tisch. Und weil der EHC Arosa 1986 tatsächlich aus Geldnot «freiwillig» absteigen musste, präsentiert sich «Champions» als intelligente Variation der Wirklichkeit. Zudem tauchen im Film zahlreiche ehemalige Cracks wieder auf, wobei Reto «Frischi» Frischknecht als notorischer Frauenheld und Hosenrunterlasser am meisten Selbstironie beweist.

Schade nur, dass «Champions» zu viel von seinem dramatischen Potenzial verschenkt. So wird der Konflikt um den Goalieposten zwischen dem Gigis Sohn Tim und dem beleibten Altstar Fritz «The Cat» Meroni (Hans-Peter Ulli) nur angetippt statt ausgefochten; am Ende übernimmt Meister Zufall. Auch die plötzlichen Gesinnungswandel von Sturzis Frau Barbara (Barbara Terpoorten), die den Hockeygelüsten ihres Gatten mal wohlwollend, mal kritisch gegenübersteht, sind schwer nachvollziehbar.

Trotzdem hat «Champions» das Zeug, um als Feelgood-Komödie einzuschlagen. Mit Running Gags und träfen Sprüchen («Coming-out und Comeback ist fast dasselbe: Keiner wartet darauf.») kommen auch Nicht-Eishockeyaner auf ihre Kosten. Und als Zückerchen gibts Gastauftritte von Nati-Coach Ralph Krueger und Komiker Claudio Zuccolini.

Und was sagt Riccardo Signorell zu «Champions»? «Zu 80 Prozent gelungen», liess der Regisseur in der «BaZ» verlauten. Dass er damit seinen grössten Kassenerfolg einfahren wird, steht ausser Frage. Schade bloss, dass gnorell, der selbst nie beim EHC Arosa spielte, im letzten Drittel nicht mehr mit von der Partie war. Doch wie heisst es in «Champions»: Für ein Comeback ist es nie zu spät.

Champions

Regie:Riccardo Signorell
Produktion:Switzerland 2009; 105 min.
Genre:Comedy
Erstaufführung:07.01.2010
Darsteller:Marco Rima, Andrea Zogg, Hans-Peter Ulli, Stefanie Japp, Jörg Schneider

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4 KOMMENTARE

Stefan Jericka

star4

Wer den Sport Eishockey liebt und dazu ein Faible für den HC Arosa hat, der liebt diesen Film. Andrea Zogg ist einfach sensationell!


Thérèse Haefele

star4

Für einen CH-Film echt Klasse, es gibt viele gute Lachszenen und ich hoffe, den Film noch ein zweites Mal sehen zu können. Guter Humor und typisch Schweizerisch und eine Hommage an Arosa.


star2

Wer den Eishockeysport liebt und eine Verbindung zu Aros hat, für den ist es ganz nett. Ansonsten eher ein bisschen lahm.


Angelica Winzenried

star2

Dass Sportfilme üblicherweise einen kitschigen Schluss haben ist klar, aber in Champions hat's definitiv zu viel davon drin.



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