Tanzen und grübeln

Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 09.02.2012

Das Hidden Orchestra aus Schottland frönt der Filmmusik, ohne dass sie je einen Film vertont hätten. Ein musikalisches Kleinod für nachdenkliche Tänzer.

Durchaus etwas unheimlich, und doch erfüllt von einer soulig-jazzigen Wärme: Hidden Orchestra.

Durchaus etwas unheimlich, und doch erfüllt von einer soulig-jazzigen Wärme: Hidden Orchestra.
Bild: Hiddenorchestra.com


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Datum und Uhrzeit

Auftritt

Turnhalle Progr, Bern, Sonntag, 12. Februar, 20.30 Uhr.

Es ist kein neues Phänomen, dass das Genre der Filmmusik eine fast schon übersinnliche Anziehung auf den gemeinen Musikschaffenden ausübt. Und der Glaube, dass in dieser Filmmusikwelt die künstlerische Freiheit wohl grenzenlos sei, ist eine der grossen und weit verbreiteten Illusionen unter den Tonkünstlern dieser Welt.

Diesen Glauben verliert erst, wer sich einmal mit fantasiebegabten Regisseuren hat herumschlagen müssen, die zwar eine klare Vorstellung davon besitzen, wie etwas zu klingen hat, dies aber kaum zu erklären imstande sind. Das Handwerk des Film-Musikers besteht grösstenteils darin, seine feinen Klangatmosphären mit einem gnadenlosen Time-Code zu synchronisieren, seine Tonbeiträge der neuesten Schnitt-Version des Streifens anzupassen und die Erwartungen eines wenig musikaffinen Film-Zeremonienmeisters zu erfüllen.Um die Idee des schöngeistigen Filmmusik-Komponistentums nicht aufgeben zu müssen, aber die Bürden des Genres elegant zu umgehen, haben besonders findige Zeitgenossen kurzerhand eine neue Musikdisziplin erfunden: Nennen wir es die «Filmmusik ohne Film».

Disziplin und Atmosphäre

Das Hidden Orchestra aus dem schottischen Edinburgh ist der jüngste Spross dieser Genre-Sippschaft. Das Bandoberhaupt heisst Joe Acheson und beschreibt sein musikalisches Endprodukt mit folgenden poetischen Worten: «Die grüblerische Reflexion eines einsamen Spaziergangs durch eine stille, rastlose Nacht.» Das klingt in der Umsetzung einigermassen düster, stellenweise auch durchaus etwas unheimlich, und doch ist diese Musik erfüllt von einer soulig-jazzigen Wärme. Da treffen klassische Streich-Arrangements auf einen jazzgeschulten Kontrabass, raffiniert gebrochene, von zwei Schlagzeugern eingespielte Beats pulsieren über cineastischen Atmosphären, und zuweilen bricht eine disziplinierte Violine in freigeistige Improvisationen aus.

Es ist eine konzentrierte und doch höchst groovende Art des Musizierens, die das Hidden Orchestra darbringt, schlechtestenfalls resultiert daraus eine fast triphopeske Belanglosigkeit, bestenfalls hochspannende, komplex getaktete Kompositionen im Breitleinwandformat.

Optisch verschönt werden ihre Auftritte von aufwendigen Visuals, und so hat sich das Quartett in den wenigen Jahren seiner Existenz zu einem höchst begehrten Live-Act entwickelt. Gebucht wird das Hidden Orchestra vom Jazzclub ebenso wie vom Indie-Lokal, selbst am berühmten Glastonbury Festival ist die Band schon aufgetreten, und zu den grössten Verehrern des Projekts zählt der englische Musiksammler- und -jäger Gilles Peterson.

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