Von saftigen Matten und schmucken Heimetli
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 19.10.2011
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Trailer
«Herz im Emmental»
Der Film läuft ab Donnerstag im Kino. Trailer und Spielzeiten: www.kino.bernerzeitung.ch.
Das Buch zum Film: «Herz im Emmental. Vom Leben mit einem Mythos». 150 S., Limmat-Verlag.
Zuerst spielen die Hardrocker Shakra live in der Langnauer Ilfishalle. Dann schwärmt SCL-Tigers-Präsident Peter Jakob von Langnau als einzigem NLA-Landclub (und vergisst Ambri). Dann berichtet Liedermacher Tinu Heiniger, wie sein «Ämme»-Lied entstand. Dann blickt Ida Heiniger auf den Aufstand von Heimarbeiterinnen 1943 zurück. Und so weiter. Und so fort.
Was Bernhard Giger und Bänz Friedli mit «Herz im Emmental» vorlegen, ist die wohl schlichtestmögliche Aufzählform eines Dokumentarfilms. Giger, der renommierte Berner Regisseur («Oeschenen»), und Friedli, der beliebte Berner Kolumnist und Autor («Der Hausmann»), fuhren über Land – nach Langnau, nach Wasen, nach Eriswil. Dort liessen sie ein gutes Dutzend Menschen vor einem Glas Wasser, vor einer Tasse Kaffee, vor einem Glas Wein über sich selbst und das Emmental nachdenken. Zum Beispiel BDP-Präsident Hans Grunder. Zum Beispiel Shakra-Fan Babs Wüthrich. Zum Beispiel Bauunternehmer Bruno Marazzi.
Trocken wie Zwieback
Das plätschert dann neunzig Minuten dahin, unaufgeregt, bedächtig, trocken wie ein Stück Zwieback. Es wird eine Welt vorgeführt, die aus Schwingfesten und Zuchtstiermärkten, saftigen Matten und waldigen Hügeln, schmucken Heimetli und bluemete Trögli besteht. Aufregungen à la Dürrenmatt? Fehlanzeige. Es ist, als hätte es den Emmentaler Weltendenker nie gegeben. Nur manchmal – wenn Szenen aus Franz Schnyders Gotthelf-Verfilmungen dazwischengeschnitten werden – kommt bei «Herz im Emmental» etwas Dramatik ins Spiel. Da ist es, als wolle Hollywoods Komödienlegende Billy Wilder von ferne mahnen: «Du sollst nicht langweilen!»
Eine Art Branchenverzeichnis
Giger und Friedli sind angetreten, um das Emmental in allen Facetten zu erfassen, den Groove wiederzugeben, das Land im Menschen zu spiegeln. Herausgekommen ist jedoch kein Gesamtbild, sondern eine Art Branchenverzeichnis, in dem man viele Worte, aber kaum Werte findet. Ein Ausweis fürs Berner Filmschaffen ist das nicht. Dafür muss man schon auf den ungleich packenderen Spielfilm «Der Verdingbub» des Berners Markus Imboden warten (Kinostart: 3.November).
Herz im Emmental
| Produktion: | 2011; 91 min. |
| Genre: | Documentary |
| Erstaufführung: | 20.10.2011 |


