Kino Aktuell The Hunger Games

Reality-TV in der Postapokalype

Von Stefan Volk. Aktualisiert am 30.03.2012

Der erste Teil der «Hunger Games» kommt in die Kinos. In den USA sorgte die mörderische Castingshow im Zukunftsstaat Panem für den besten Vorverkauf aller Zeiten.

In der Dschungel-Arena: Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson).

In der Dschungel-Arena: Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson).
Bild: zvg

The Hunger Games

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Mit brennenden Gewändern marschieren die Gladiatoren ein. Die Menge jubelt, als sich das Paar die Hände reicht. Noch bevor die «Hungerspiele» beginnen, bevor Katniss und Peeta, die beiden «Tribute» aus dem Distrikt 12, zu einem Kampf auf Leben und Tod gegen die Abgesandten der elf anderen Bezirke des Zukunftsstaates Panem antreten, hat ihr Berater (Woody Harrelson) ihnen einen Auftritt mit Wow-Effekt verschafft. Das ist natürlich gut für die (Reality-TV-)Show, es soll aber auch die Überlebenschancen der «Tribute» erhöhen. Denn nur wer beliebt ist, kann auf Hilfe von aussen hoffen, wenn es später in die «Arena» geht, einen künstlichen Dschungel voller Gefahren und Kameras. «Gespielt» – also gekämpft, gejagt, geschlachtet und gestorben – wird dort laut Reglement so lange, bis nur noch einer oder eine übrig bleibt.

Kein typischer Jugendfilm

Dieses düstere Szenario postapokalyptischer «Brot und Spiele» stammt aus «The Hunger Games» (deutsch «Die Tribute von Panem»), dem ersten Teil der Verfilmung von Suzanne Collins’ gleichnamiger US-Besteller-Trilogie. Dass ein weltweit erfolgreiches Jugendbuch aus der Feder einer Frau, das in einer Fantasiewelt spielt, schnell mit «Harry Potter» oder «Twilight» verglichen wird, wundert nicht. Doch «The Hunger Games» ist kein typischer Jugendfilm. Zwar sollen die zentralen Charaktere des Romans, Katniss und Peeta, etwa so jung sein wie in der Vorlage, sie wirken aber deutlich reifer. «Pleasantville»-Regisseur Gary Ross überträgt die komplexe, oft widersprüchliche «Panem»-Welt in einem Mix aus Mediensatire und Actionstreifen auf die Leinwand. Allerdings: Nachdem der autoritäre Zukunftsstaat mit dem reichen, mächtigen Zentrum und den ärmlichen Arbeiterdistrikten etabliert wurde, zerfällt der Film in zwei Teile.

Zwischen Satire und Actionstreifen

Der Satire gehören die Vorbereitungen, die Ross mit einem herrlich überkandidelten Harrelson, wie man ihn aus Paul Schraders «The Walker» kennt, als mörderisch-schrille Castingshow inszeniert, eine Art «Panem sucht den Superkiller». Während der Spiele dominiert dann die Action: geradlinig, psychologisch nicht immer glaubwürdig, dafür stilsicher in Szene gesetzt. Jennifer Lawrence, die 2011 für ihre Rolle in «Winter’s Bone» für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert war, überzeugt als kindliche Kriegerin und zärtliche Amazone. Josh Hutcherson dagegen bleibt als ihr Teampartner Peeta arg blass.

Ein wenig öfter hätte man sich Donald Sutherland im Bild gewünscht, der den klugen, skrupellosen Präsidenten gewohnt charismatisch gibt. Vermutlich wird man im nächsten «Panem»-Film mehr davon zu sehen bekommen. Nach den abwechslungsreich inszenierten «Hunger Games» darf man sich darauf freuen.

The Hunger Games

Regie:Gary Ross
Produktion:USA 2012; 135 min.
Genre:Action, Drama, Sci-fi, Thriller
Erstaufführung:22.03.2012
Darsteller:Stanley Tucci, Wes Bentley, Jennifer Lawrence, Willow Shields, Liam Hemsworth
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