Leben und Sterben hinter dem Lenkrad
Von Georges Wyrsch. Aktualisiert am 04.01.2012
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Trailer
Ryan Gosling spielt den «Fahrer». Einen weiteren Namen trägt der wortkarge Held nicht. Tagsüber arbeitet er als Fahrzeug-Stuntman in L.A., nachts lässt er sich als Fluchtchauffeur für Raubüberfälle anheuern. Er sitzt emotionslos am Steuer, das ist alles. Aber er fährt – das wird gesagt und gezeigt – wie ein justiertes Präzisionsinstrument.
Ehrliche Gefühle und Bargeld
Zwei Ereignisse drohen nun, im inneren Triebwerk des Fahrers Schaden anzurichten: Einerseits entwickelt er ehrliche Gefühle für seine hübsche Nachbarin (Carey Mulligan), deren Mann (Oscar Isaac) im Gefängnis sitzt. Andererseits gerät er zwischen die Fronten zweier Gangsterbanden, die sich eine grosse Bargeldsumme streitig machen.
Eliminierung von Mitwissern
Seit «Drive» von Nicolas Winding Refn im letzten Jahr in Cannes zu sehen war, ist viel über die kurzen drastischen Gewaltausbrüche geschrieben worden, die den Film in seiner zweiten Hälfte prägen. So wurde gesagt, der Däne Refn – bekannt für kompromisslose Werke wie die «Pusher»-Trilogie oder das mittelalterliche Epos «Valhalla Rising» – habe seinem US-Debüt einen persönlichen Stempel aufgedrückt, und das eher unnötigerweise.
Dass diese Exzesse verstören, liegt allerdings nicht an ihrer Unnötigkeit, sondern am Kontext, in den sie eingebettet sind. «Drive» wird bevölkert von Klischeegangstern, die nichts dem Zufall überlassen, und ihre Tötungsakte sind dabei nie mehr als die banalen Konsequenzen einer Spirale des Fressens oder Gefressen-Werdens: Wo es eine Spur zu verwischen gibt, da müssen Mitwisser eliminiert werden. Zumindest bis Publikumsschwarm Ryan Gosling ins blutige Geschehen eingreift. Hier wird der Film persönlich, und dementsprechend unangenehm.
Griff zu äussersten Mitteln
Es verwundert nicht, dass Refn seinen Stoff existenzialistisch interpretiert. Auch wenn das Drehbuch nicht von ihm, sondern von Hossein Amini stammt, lassen sich zwischen diesem Fahrer und dem nordischen «Valhalla Rising»-Krieger Vergleiche ziehen. Beide Protagonisten greifen zu äussersten Mitteln, um eine nahestehende Person zu schützen.
Schwelgen in der Ästhetik
Erstaunlich ist allerdings, wie tief Refn diesmal in die Stil- und Verweiskiste greift. Quasi als Gegenpol zu seinem Landsmann Lars von Trier, der klassischen Filmcodes misstraut, schwelgt Refn in der visuellen und klanglichen Neo-Noir-Ästhetik der Thriller aus den späten Siebzigern und frühen Achtzigern. Die Vorbilder werden gleich reihenweise zitiert: Michael Mann, William Friedkin, Ridley Scott und natürlich Walter Hill, aus dessen Film «The Driver» von 1978 sich Refn den Titel, den namenlosen Chauffeur, den Vornamen des Hauptdarstellers (bei Hill war es Ryan O’Neal) und auch gleich die ganze Eröffnungssequenz entlehnt hat.
So gelingt Refn nicht nur ein spannender Krimi, sondern auch ein phänomenal aussehender Film, der geschickt auf eine Zeit verweist, in der Hollywood-Regisseure noch mehr Freiheiten hatten. Die Tore zur Filmmetropole dürften Refn nun endgültig offenstehen.
Drive
| Regie: | Nicolas Winding Refn |
| Produktion: | USA 2011; 95 min. |
| Genre: | Action, Drama |
| Erstaufführung: | 05.01.2012 |
| Darsteller: | Ryan Gosling, Carey Mulligan, Ron Perlman, Oscar Isaac, Christina Hendricks |
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3 KOMMENTARE
Keine Geschichte, keine Charaktere, nur sinnlose Brutalität. Der schlechteste Film seit Jahren mit höchst mittelmässigen, unglaubwürdigen Schauspielern.
Morden ohne Ende dass es einem schlecht wird machen den Film kaputt; was soll man daran gut finden? Selten solch eine explizite Gewaltdarstellung gesehen.


