Kino Aktuell Marley

Hommage an den «King of Reggae»

Von Stefan Volk. Aktualisiert am 09.05.2012

Was in «Marley» gezeigt wird, kann noch kein Kinobesucher gesehen haben: Denn der neuste Dokumentarfilm über die Reggaelegende ist eine Zusammenstellung bisher unveröffentlichten Archivmaterials.

Unhinterfragt: Reggae-Ikone 
Bob Marley in «Marley».

Unhinterfragt: Reggae-Ikone Bob Marley in «Marley».
Bild: zvg

Marley

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Fast auf den Tag genau 31 Jahre ist es her, dass Reggaelegende Bob Marley am 11.Mai 1981 allzu früh verstorben ist. Nun kommt so etwas wie die offizielle Filmbiografie des Reggaemusikers ins Kino. Der schottische Regisseur Kevin Macdonald («Life in a Day») erhielt für den von Marley-Sohn Ziggy mitproduzierten Dokumentarfilm erstmals uneingeschränkten Zugang zum Familienarchiv der Marleys. Neben Konzertmitschnitten, Auszügen aus Interviews, Gesprächen mit Angehörigen und Weggefährten zeigt der Film bislang unveröffentlichtes Archivmaterial.

Chronologisch erzählt «Marley» die Lebensgeschichte des jamaikanischen Sängers: von der Jugend in den Ghettos über die Hinwendung zum Rastafari-Glauben bis zum Krebs, dem Marley mit erst 36 Jahren erlag. Die oft intimen, manchmal schmerzlichen Einblicke zeigen, wie sehr der makellos fotografierte und mit reichlich Originalsongs unterlegte Streifen durch die familiäre Nähe gewinnt.

Es gibt aber auch eine Kehrseite der Medaille. Zuweilen entsteht nämlich der Eindruck, Bob Marleys Leben sei ein einziges «One Love» gewesen. Kritische Töne vermeidet Macdonald, der seine Karriere als Dokumentarfilmer begann und mit seiner brisanten Aufarbeitung des Münchner Olympiaanschlags von 1972, «One Day in September» (1999), den Oscar gewann.

Das verwundert, umso mehr als der Regisseur bislang als streitbarer Geist in Erscheinung getreten ist. Etwa mit einer Dokumentation über den NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie und dessen Tätigkeit für westliche Geheimdienste («My Enemy’s Enemy», 2007) oder mit seinen Politthrillern «The Last King of Scotland» (2006) und «State of Play» (2009).

Ausreichend offene Fragen

Anlass für unbequemes Nachfragen hätte es – wie bei jeder Lebensgeschichte – auch bei Bob Marley gegeben. Zum Beispiel im Zusammenhang mit dessen Umgang mit Bandkollegen, Geliebten, Kindern. Oder aber zu seiner betont unpolitischen Haltung. Vielleicht muss das ein anderer in einem anderen Film nachholen — ohne die Zustimmung der Marley-Familie. So jedenfalls erzählt «Marley» in neuen Bildern die alte Geschichte vom «König des Reggae»: eine liebenswürdig-melancholische Hommage an eine Legende.

Marley

Regie:Kevin Macdonald
Produktion:UK, USA 2012; 144 min.
Genre:Documentary, Music
Erstaufführung:10.05.2012
Darsteller:Bob Marley, Ziggy Marley, Rita Marley, Jimmy Cliff, Cedella Marley
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