Hänsel, der Hexer und die gute Fee
Aktualisiert am 11.01.2012
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Trailer
Der 11-jährige Cyril wird nach dem Tod seiner Grossmutter von seinem Vater angeblich nur für einen Monat im Kinderheim zwischengelagert. Doch die Zeit verstreicht ohne Nachricht. Vaters Telefonanschluss ist gesperrt, seine Wohnung geräumt, der Erzeuger ohne Nachsendeadresse verduftet. Aber der nervtötend störrische Bub glaubt noch dann an ein Wiedersehen, als sich zeigt, dass der bankrotte Vater Cyrils geliebtes Velo verschachert hat. Auf seiner kopflosen, halsstarrigen Suchmission rennt der Junge buchstäblich in die Coiffeuse Samantha hinein, die sich seiner mit gelassener Selbstverständlichkeit annimmt. Sie macht das Velo ausfindig, kauft es dem neuen Besitzer ab, stellt sich als Wochenend-Pflegemutter zur Verfügung und spürt den Vater auf.
Grosses Schauspiel
Die Gebrüder Dardenne erwogen nach eigenen Aussagen ursprünglich, den Film «Ein modernes Märchen» zu nennen – wohl auch, weil Cyrils mit schwersten Hypotheken belastete Biografie im wahren Leben kaum so glückliche Wendungen nehmen würde. Aber auch sonst gibt es Märchenelemente: etwa den Wald als Hort des Bösen wie in «Hänsel und Gretel», oder – wie in «Pinocchio» – Halunken, die die Naivität des Vatersuchers skrupellos ausnutzen, und die Fee, die alles verzeiht.
Doch das ist alles nur Beigemüse zum fast dokumentarisch echt wirkenden Spiel der Hauptdarsteller. Mit Thomas Doret in der Hauptrolle haben die Regisseure eine ganz grosse Entdeckung gemacht. Und dass sie – entgegen ihren Gewohnheiten – mit Cécile de France einen Profi für die Rolle der Samantha engagierten, tut der Natürlichkeit keinen Abbruch: Die Belgierin spielt zwar intensiv, weiss sich aber zurückzunehmen und in den harmonischsten Szenen kumpelhaft auf die Augenhöhe des Jungen zu begeben.
Le gamin au vélo
| Regie: | Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne |
| Produktion: | Belgium, France, Italy 2011; 87 min. |
| Genre: | Drama |
| Erstaufführung: | 12.01.2012 |
| Darsteller: | Thomas Doret, Cécile De France, Jérémie Renier, Fabrizio Rongione, Egon Di Mateo |


