Kino Aktuell Gerhard Richter - Painting

Entzauberung des modernen Malerfürsten

Von Helen Lagger. Aktualisiert am 11.01.2012

Das Kino Kunstmuseum präsentiert den Film «Gerhard Richter Painting». Trotz einer Länge von fast hundert Minuten: So richtig nahe kommt die Journalistin und Filmerin Corinna Belz dem deutschen Künstler nicht.

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Gerhard Richter - Painting

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«Was haben Sie sich dabei gedacht?», fragt ein Journalist den jungen Gerhard Richter. Dieser hatte, als er noch in der DDR lebte, seine Malerei trotzig als kapitalistischen Realismus bezeichnet und damit die Staatskunst, den sozialen Realismus, ironisiert. «Man kann sich nichts beim Malen denken, es ist ja eine andere Art zu denken», antwortete der Künstler lapidar. Der 1932 in Dresden geborene Maler, Bildhauer und Fotograf flüchtete 1961 in den Westen und erlangte dort Weltruhm. 2002 zeigte das Museum of Modern Art in New York die grösste je einem noch lebenden Künstler gewidmete Retrospektive; «Ema (Akt auf einer Treppe)» von 1966, das er nach einer Fotovorlage malte, ist Richters vielleicht bekanntestes Bild.

Über den Menschen hinter der Malerei ist jedoch wenig bekannt. Die Journalistin und Filmerin Corinna Belz hat nun dem bald Achtzigjährigen beim Malen über die Schulter geschaut und ein fast hundert Minuten langes Filmporträt geschaffen.

Verborgener Kreationsprozess

Belz versucht das eigentlich Unmögliche: Sie möchte den Kreationsprozess entschlüsseln. Richter, alles andere als eine schillernde Persönlichkeit, tut sie damit jedoch keinen Gefallen. Und es wirkt geradezu entzaubernd, wenn er seine riesigen abstrakten Gemälde in seiner trockenen Art kommentiert. «Es sieht nicht gut aus» oder «Ein Bild muss zwingend sein» – viel mehr verrät uns der Meister nicht, während er um die richtige Komposition ringt. Ein Bild sei eine Behauptung, die nichts neben sich dulde. Richter übt sich in impulsiven Gesten, Schicht um Schicht trägt er Farbe auf und kratzt sie wieder weg. Stellt die Journalistin nicht die richtigen Fragen, oder gibt es gar keine Antworten darauf, wie solche Bilder entstehen? «Malen ist eine heimliche Angelegenheit», sagt Gerhard Richter einmal. Und am Ende dieses langatmigen Filmporträts denkt man sich: «Vielleicht hätte er sein Geheimnis für sich behalten sollen.»

Gerhard Richter - Painting

Regie:Corinna Belz
Produktion:Germany 2011; 97 min.
Genre:Documentary
Erstaufführung:15.12.2011
Darsteller:Gerhard Richter, Norbert Arns, Hubert Becker, Sabine Moritz-Richter, Konstanze Ell

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