Kino Aktuell Machine Gun Preacher

Ein Rächer in Gottes Namen

Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 13.06.2012

Ein Priester, der mit der Knarre missbrauchte Kinder beschützt: Regisseur Marc Forster testet mit «Machine Gun Preacher» die Schmerzgrenze.

Mann mit Mission: Gerard Butler befreit in Marc Forsters «Machine Gun Preacher» afrikanische Kinder.

Mann mit Mission: Gerard Butler befreit in Marc Forsters «Machine Gun Preacher» afrikanische Kinder.
Bild: zvg/Ilze Kitshoff

Machine Gun Preacher

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Ungeheuerlich wäre eine glatte Untertreibung. Wir sehen in diesem Film afrikanische Kinder, die auf freiem Feld angekettet sind, die verstümmelt, verschleppt oder zu Soldaten ausgebildet werden und die im schlimmsten Fall die eigene Mutter töten müssen, um nicht selbst niedergemetzelt zu werden. Kein Zweifel: «Machine Gun Preacher» ist ein untypischer Marc-Forster-Film. Das märchenhaft Verspielte, das viele seiner Werke prägt, ist hier höchstens in Spurenelementen vorhanden.

«Machine Gun Preacher» stützt sich auf die autobiografischen Erlebnisse des Ex-Junkies und Tunichtguts Sam Childers (Gerard Butler), eines typischen White-Trash-Bikers, der sein Leben fast wegschmiss. Dann fand Childers den Weg zu Gott und machte sich – Frau und Kind zurücklassend – auf nach Zentralafrika, um Kinder mit Waffengewalt aus den Klauen der rebellischen Lord’s Resistance Army (LRA) zu befreien.

Marc Forsters grösster Flop

Eine unglaubliche Story? Noch unglaublicher waren die Box-Office-Zahlen aus den USA, wo der 30-Millionen-Dollar-Film lediglich 500'000 Dollar einspielte. «Machine Gun Preacher» ist damit Forsters bislang grösster Flop. Wie konnte das geschehen?

Der Schweizer Regisseur, der wie so oft mit einem Drehbuchdebütanten (Jason Keller) zusammen arbeitete, erzählt in seinem jüngsten Film im Prinzip zwei Geschichten. Die eine handelt von Verbrechen an Kindern, wie man sie nicht nur aus Zentralafrika, sondern aktuell auch aus Syrien kennt, und die einen ob der schieren Grausamkeit fassungslos zurücklassen. Und die einen ob des beherzten Mannes, der endlich eingreift, aufatmen lässt. Das ist die einfache Geschichte.

Die schwierige ist jene von Sam Childers selbst, der sich vom Saulus zum Paulus wandelt – und der zugleich ahnt, dass seine Dämonen damit nicht besiegt sind. Childers stellt seinen missionarischen Eifer stets über die Familie und wird mit zunehmenden Finanzproblemen immer rücksichtsloser und unberechenbarer. Eine Ärztin sieht in gar als Seelenverwandten von LRA-Rebellenführer Joseph Kony, dessen Schergen Childers so verbissen bekämpft.

Gut und Böse verschwimmen

Kurz: Die zweite Geschichte ist die weitaus Spannendere, kommt jedoch aufgrund der ersteren eher schleppend auf Touren. Da zugleich die Trennlinie zwischen Gut und Böse hauchdünn ist, wird der Zuschauer laufend gefordert, die Schmerzgrenze mitunter bald erreicht.

Schlechte Vermarktung?

Klingt irgendwie bekannt? Tatsächlich war «Stay», Forsters verrätselter Psychothriller aus dem Jahr 2005, ebenfalls ein Misserfolg. Damals wie heute kritisierte der Regisseur in der Folge die schlechte Vermarktungsstrategie des Filmstudios. Zu Recht? Eines ist klar: «Stay» und «Machine Gun Preacher» sind keine einfachen Filme. Wer solches von Forster erwartet oder propagiert, der hat ihn definitiv nicht verstanden.

Machine Gun Preacher

Regie:Marc Forster
Produktion:USA 2011; 129 min.
Genre:Action, Crime, Drama
Erstaufführung:14.06.2012
Darsteller:Gerard Butler, Michelle Monaghan, Kathy Baker, Michael Shannon, Madeline Carroll
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