Kino Aktuell Chronicle

Rachegelüste eines Schwächlings

Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 18.04.2012

Drei normale Teenies werden in «Chronicle» zu Superhelden. Das setzt ungeahnte Energien frei, birgt aber auch Aggressionspotenzial.

Ungebremste Aggression: Dane DeHaan im Film «Chronicle».

Ungebremste Aggression: Dane DeHaan im Film «Chronicle».
Bild: zvg

Chronicle

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Einmal im Leben mit Superkräften auftrumpfen? Bitte sehr. Für drei amerikanische Durchschnittsteenies wird dieser Traum Realität, als sie in einem Erdloch einen magischen Kristall berühren. Der schüchterne Andrew (Dane DeHaan), sein naseweiser Cousin Matt (Alex Russell) und der fröhliche Steve (Michael B.Jordan) können ihr Glück kaum fassen. Bald stapeln sie mit blosser Gedankenkraft Lego-Steine, verschieben Autos, spielen über den Wolken American Football.

Wandelnde Zeitbombe

Klingt nach pubertärem Schabernack? Allerdings. Doch «Chronicle» ist weder herkömmliche Teeniekomödie noch ödes Superheldengedöns. Der Film von Regisseur Josh Trank und Drehbuchautor Max Landis (Sohn von «Blues Brothers»-Legende John Landis) nimmt ab dem Moment eine Wendung, als Aggressionen und Frust der Teenager zu unkontrollierten Superausbrüchen führen. Vor allem der introvertierte Andrew, der das Geschehen mit der Handkamera dokumentiert, entpuppt sich als wandelnde Zeitbombe: In der Schule wird der schmächtige Jüngling gemobbt, zu Hause liegt die Mutter im Sterben, der Vater schlägt den Sohn im Suff.

«Chronicle» gelingt dabei ein schwieriger Spagat: Der Film verbindet dokumentarischen Echtheitsanspruch mit uramerikanischen Ausbruchsfantasien, ist also Weltschmerz und Weltflucht zugleich. Und ein cleverer Kunstgriff obendrein: Indem der Film im Stil eines «Mockumentary» (siehe Besserwissen) gehalten ist, porträtiert und spiegelt er eine Jugend, die sich mittels Handys, Kameras und sozialen Netzwerken unablässig selbst inszeniert.

Frei schwebende Kamera

Zwar sind Figurenzeichnung und Spannungsaufbau im Film nur in Ansätzen vorhanden. Umso verblüffender jedoch scheint, wie leicht «Chronicle» sein gesellschaftliches Kernthema umkreist, sowohl auf inhaltlicher wie formaler Ebene. Bestes Beispiel: Wenn sich die Handkamera mit zunehmender Spieldauer von seinen Darstellern entfernt, ist das kein Regelbruch: Einerseits kann die Hauptfigur dank Superkräften Gegenstände frei schweben lassen (also auch die Kamera), andererseits werden mit zunehmendem Flurschaden Überwachungskameras in Tankstellen oder Spitälern als filmische «Zeugen» einbezogen. «Chronicle» wird damit zum würdigen filmischen Seismografen einer Jugend zwischen Übermut, Überdruck und Selbstbespiegelung.

«Chronicle» läuft ab Donnerstag im Kino.

Chronicle

Regie:Josh Trank
Produktion:UK, USA 2012; 84 min.
Genre:Action, Drama, Sci-fi, Thriller
Erstaufführung:19.04.2012
Darsteller:Dane DeHaan, Alex Russell, Michael B. Jordan, Michael Kelly, Ashley Hinshaw
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1 KOMMENTARE

André Ehrsam

23.04.2012, 11:39
star2

Ich kann dem Film weissGott nicht mehr als 2 Sterne geben. Die Special-Effects sehen nicht mal so schlecht aus und man merkt, dass da ein wenig Geld investiert wurde. Wahrscheinlich jedoch so viel, dass für die Schauspieler grad mal noch soviel für 2 Statisten und einen Leonardo Di Caprio-Verschnitt aus Titanic übrig blieb. Die schauspielerische Leistung überzeugt überhaupt nicht und man fragt sich Ende des Films was einem der Regisseur mit dem Film mitteilen will. Der Unterhaltungsfaktor hält sich ebenso in Grenzen da der Film sich Hauptsächlich mit dem verkackten Leben des Hauptdarstellers beschäftigt. Das langersehnte Ende des Films ist dann so Vorhersehbar, dass ich besser mit dem Schauen gewartet und dann in einem halben Jahr für 8 Franken bei On Demand bestellt hätte...



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