Kino Aktuell The Future

«Manche Gefühle sind nicht auszuhalten»

Von Andreas Scheiner. Aktualisiert am 08.12.2011

Die Künstlerin, Autorin und Filmemacherin Miranda July erzählt im Film «The Future» die Geschichte eines Paares, das eine Katze adoptiert und darob in eine Beziehungs- und Lebenskrise schlittert.

The Future

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Miranda July, Sie machen Kunst, Sie schreiben Bücher - weshalb drehen Sie auch noch Filme?
Aus der gleichen Motivation heraus, aus der ich auch alles andere mache: Manche Gefühle sind nicht auszuhalten, wenn ich sie nicht in irgendeiner Form ausdrücken kann.

Geht es Ihnen in «The Future» um Gefühle im Zusammenhang mit dem Älterwerden?
Als Mittdreissigerin empfand ich plötzlich ein sehr starkes Gefühl der Endlichkeit. Schlagartig wurde mir bewusst, dass das Leben nicht ewig dauert. Andererseits habe ich das Gefühl, mein Leben werde besser.

Fühlen Sie sich Ihrer Sache sicherer?
Zumindest fantasiere ich nicht mehr so sehr über Dinge, die ich nicht habe. Ich fühle mich wohl mit dem Erreichten.

In «The Future» wird aber auch die zunehmende Verantwortung thematisiert, mit der sich ein Mittdreissiger konfrontiert sieht.
Es geht implizit um die Verantwortung, die Kinder mit sich bringen.

Sie drücken das im Film durch ein Paar aus, das beschliesst, eine Katze zu adoptieren.
Heutzutage wirken Erwachsene nicht mehr wie Erwachsene. Sie wollen alles Mögliche gemacht haben, bevor sie an die Familienplanung gehen. Bei mir war das nicht anders. Die Arbeit an diesem Film war fast eine Entschuldigung dafür, mich nicht mit dem Gedanken an Kinder auseinandersetzen zu müssen. Ich sagte mir: «Du spielst in deinem Film mit, da darfst du ja nicht schwanger werden.»

In einer Szene hilft die von Ihnen gespielte Figur einem Mädchen beim Baden. Das ist sehr rührend. Da wird sich die Frau bewusst, wie schön Verantwortung sein kann.
Genau so sehe ich das auch! Es ist, als würde die Frau aus einem Traum erwachen und merken: «Moment, da gibt es wirklich ein kleines Mädchen, um das ich mich kümmern muss - und dieses Mädchen bin nicht ich.» Von diesem Moment an ist die Frau wieder empfänglich für alle möglichen Gefühle.

Ein deutscher Kritiker hat geschrieben, die Figuren des Films spiegelten das momentane Befinden der USA wider: verletzt, isoliert, selbstbezogen. Sehen Sie das auch so?
Kein bisschen. Es ging mir nicht darum, etwas typisch Amerikanisches zum Ausdruck bringen. Ich habe mich einfach umgeschaut und Freunde gesehen, die ständig online, doch im echten Kommunizieren irgendwie offline sind. Das ist doch nichts spezifisch Amerikanisches.

Aber die Weltpolitik hatte schon auch Einfluss: Ohne die Finanzkrise wäre das ein anderer Film geworden.
Vor der Krise haben wir von einem Budget gesprochen, das fünfmal so hoch war wie dasjenige, mit dem ich schliesslich auskommen musste. Doch ohne die Finanzkrise hätte wohl niemand sein Geld zurückerhalten, denn für so einen kuriosen Film wie diesen gibt es keinen Markt, sprich, kaum eine Chance, das ganze Geld wieder einzuspielen.

The Future

Regie:Miranda July
Produktion:Germany 2011; 91 min.
Genre:Drama
Erstaufführung:15.12.2011
Darsteller:Miranda July, Hamish Linklater, David Warshofsky, Isabella Acres, Joe Putterlik

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