Le Pop qui rit
Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 26.01.2012
Onésia Rithner ist ein kleines Gesamtkunstwerk oder – etwas weniger pathetisch ausgedrückt – eine musikalische Selbstversorgerin. Bevor sie sich an die Arbeit an ihrem ersten Tonträger machte, bildete sie sich erst einmal in London und Zürich zur Tontechnikerin aus. Danach schloss sie sich im Heimstudio im Wallis ein und arbeitete ein Jahr lang in Eigenregie an ihrem Erstling «D’accords», welcher im Mai letzten Jahres erschienen ist. Hier hat sie die meisten Instrumente selber eingespielt, eigenhändig das Programming übernommen und sich als Songwriterin und Sängerin hervorgetan.
Herausgekommen ist ein überaus neckisches Pop-Album, im Neo-Chanson-Duktus gehalten, mal elektronisch gesprenkelt, mal naturbelassen schön, dann wieder von frankofonem Kindfrau-Übermut getrieben, um im nächsten Moment wieder in selbst geblasenem Trübsal zu säuseln. Die Walliser Sängerin erfindet Melodien, die in ihrer Einfachheit und Schlüssigkeit direkt in die Herzkammer treffen, doch sie ist zu verspielt, um diese mit nachhaltiger Bedeutsamkeit zu beschweren. Und genau das macht ihr Album so kostbar, das Gros der Songs wirkt angenehm locker und unambitioniert.
Mit diesem Ansatz hat sie in der frankofonen Welt schon einiges an Aufmerksamkeit erhascht: 2008 wurde sie vom französischen Chansonnier Francis Cabrel zusammen mit Emily Loizeau auf die Talentbühne «Rencontres d’Astaffort» nach Südfrankreich geladen, im gleichen Jahr durfte sie die Schweiz im Chanson-Förderprogramm «Du haut des airs» vertreten und kam zu Auftritten in Frankreich, Belgien, der Schweiz und Kanada. Und im letzten Jahr wurde die 25-jährige Sängerin auch noch für eine Rolle in einem Bollywood-Film besetzt. Der Titel: «Fever». Irgendwie ansteckend, die Dame. (ane)

