«Die Musik rettete mich»
Von Ane Hebeisen. Aktualisiert am 09.02.2012
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Der jamaikanische Sänger, Songschreiber und Produzent Larry Alexander blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Der Bruder des Pianisten Monty Alexander war begehrter Musikproduzent in den USA, Manager und Ehemann der Soulsängerin Phyllis Hyman und ist bis heute ein gefragter Sänger und Entertainer. Sein Album «I Am Who Sings», das er 2002 mit der WDR-Big-Band aufgenommen hat, brachte ihm in der amerikanischen Presse Vergleiche mit Frank Sinatra ein. Seit 1996 lebt er in Bern. Am Dienstag, 14. Februar, 20 Uhr, lädt er im Kapitel im Bollwerk zum «Special Valentines Day Concert».
Im Alter von bald 63 Jahren schauen Sie auf gerade mal ein Album unter Ihrem Namen zurück. Wieso sind es nicht mehr?
Ich war mein ganzes Leben lang in der Musikindustrie aktiv, aber halt stets als Strippenzieher im Hintergrund. Ich habe Musik für Roberta Flack oder für meine damalige Frau Phyllis Hyman produziert, ich habe Songs für andere Künstler geschrieben oder war Manager diverser Künstler. Aber auf diese eine CD, die ich in der Schweiz aufgenommen habe, bin ich stolz. Sie hat einen fast schon klassischen Touch. Ich habe davon 42 000 Stück verkauft, sie läuft noch immer im Programm von American Airlines und wird in den USA im Radio gespielt.
Ihr Bruder Monty Alexander hat einen anderen Weg eingeschlagen und ist zu einer Jazz-Majestät arriviert. War er talentierter oder einfach hartnäckiger?
Der Grund, weshalb unsere Karrieren so unterschiedlich verlaufen sind, liegt in unserer Kindheit. Monty war der Liebling. Derjenige, der den Hintern versohlt bekam, das war ich. Meine Mutter war eine Schönheit. Man nannte sie die Zsa Zsa Gabor von Jamaika. Sie wurde auf Partys eingeladen, sie kannte wichtige Leute und sie nutzte diese Privilegien, um Monty zu unterstützen. Als er in einem Club in Montego Bay spielte, wurde er von einem Produzenten entdeckt, kurz darauf, im Jahr 1961, beschloss meine Mutter, mit uns nach Miami zu ziehen. Das war die Basis der Weltkarriere von Monty Alexander. Zur selben Zeit wurde ich nach Vietnam eingezogen. Eigentlich haben wir den gleichen Weg eingeschlagen: Wir lieben die Musik, wir haben ihr beide unser Leben gewidmet. Aber unsere Bühnen hatten stets unterschiedliche Vorhänge. Es gibt keinen Wettkampf zwischen uns, ich werde nie Piano spielen können wie er und er wird vermutlich nie so singen können wie ich. Doch wenn wir zusammen auf der Bühne stehen, dann geschieht regelmässig etwas Grossartiges.
Wie sind Sie vom Vietnam-Krieger zum Jazz-Crooner geworden?
Vietnam ist ein düsteres Kapitel, unter dessen Nachwirkungen ich noch immer leide. Doch die Musik rettete mich. In einem Contest wurde ich zum besten Sänger des Militärs erkoren und durfte die Basis verlassen. Dann bekam ich das Angebot, auf grossen Kreuzfahrtschiffen zu singen. Es war ein wunderbares Leben in den 70s. Ich kurvte durch die Karibik, kam immer wieder zurück in die USA, um als Produzent zu arbeiten. Ein Frontmann zu sein, das lernte ich auf diesen Schiffen. Meine Band war besetzt mit den besten Jazzmusikern der Zeit. Auf dem Schiff lernte ich auch meine Frau Phyllis kennen, die Liebe meines Lebens. Wir machten zusammen Musik, es war toll.
Warum sind Sie 1996 nach Bern gekommen – und bis jetzt geblieben?
Als Phyllis Selbstmord beging und kurz darauf meine Mutter starb, brauchte ich eine Veränderung. Irgendwann hatte ich die Idee, in die Schweiz zu kommen. Ich hatte vom Montreux Jazz Festival gehört und flog ganz einfach nach Genf. Hier lernte ich den Berner Pianisten Franz Biffiger an einer Loft-Party kennen, spielte ein paar Songs mit ihm, und er sagte zu mir: «Wenn du nach Bern kommen willst, wirst du offene Türen vorfinden.» So war es dann auch. Ich liebe diese Stadt. Ich schlug mich durch. Mittlerweile gibt es vermutlich kein Top-Hotel in der Schweiz, in dem ich nicht aufgetreten bin.
Am Valentinstag treten Sie im Kapitel in Bern auf. Was kann man erwarten: Den herzbrechenden Crooner mit der roten Rose im Revers?
Das mit der roten Rose wird nicht klappen, mein Anzug ist bereits knallrot. Ich spiele einen Tribute to Frank Sinatra, in der guten amerikanischen Crooner-Tradition, und doch wird man merken, dass ich aus Jamaika stamme. Ich freue mich so sehr auf dieses Konzert in diesem hübschen kleinen Club im Bollwerk. Es sind gute junge Leute dort, der Vorverkauf läuft gut, mein Pianist Yanis Irbe wird dabei sein, und es ist Valentines Day. Das sind die Freuden meines Lebens.

